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Warum Bücher schreiben schön ist

Sach- und Fachbücher schreiben ist, je nach Titel, Verlag und Zeitgeist, eine mehr oder weniger brotlose (und nur gelegentlich auch mal einträgliche) Tätigkeit. Auf jeden Fall ist es eine höchst anstrengende, und ich sitze gerade von einem 500-Seiten-Schmöker, habe, sagen wir, die Terminsituation nicht mit gebührendem Eifer und vor allem nicht rechtzeitig genug berücksichtigt und ackere daher Tag und Nacht.

Und zwar gut gelaunt. Denn kaum etwas ist so befriedigend wie ein Sachbuch. Man kann völlig eintauchen in die Materie: Statt pro Tag fünf Schnipsel zu völlig verschiedenen Gegenständen zu produzieren endlich einmal mal eine ganze Woche lang nur ein einziges Thema behandeln – das ist für mich persönlich ein großer Lustgewinn.

Die ersten 20, 30, 40 Seiten sah das Ding noch wie ein ziemlicher Verhau aus. Hier eine angefangene Baustelle, dort ein halbes Kapitel, nichts passte richtig zusammen. Die eine Hälfte schien redundant, die andere widersprach sich. Die einzige Motivation, die stieg, war die, ins Schwimmbad zu radeln.

Doch dann kommt – wie immer – der Augenblick, in dem das Projekt Form annimmt. Plötzlich fügen sich die Teile zu zusammen, die Redundanzen werden zu einem sinnvollen Rhythmus, die Widersprüche ordnen sich zu einer Melodie. Plötzlich ergibt das alles einen Sinn. Und der trägt einen wie von selbst weiter.

(Es sei aber an dieser Stelle auch verraten, dass es dazu eine ganz große Antiklimax gibt: Der Augenblick, wenn es fertig ist, termingerecht, und man aber nun plötzlich deutlich erkennt, dass es mal wieder nur mittelmäßig wurde, und dass man jetzt, wo keine Zeit mehr ist, endlich weiß, wie man die Sache eigentlich hätte anpacken sollen. Es ist bedauerlich, dass es fast nie eine Abkürzung gibt, und dass man so oft den falschen Weg gehen muss, um den richtigen zu erkennen.)