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Office-Pakete im Web

Microsoft Office und OpenOffice.org sind nicht der Weißheit letzter Schlusss – jedenfalls nicht für Fans von Cloud Computing und Web-Applikationen, die ihr Glück in der Wolke suchen. Ich habe mir mal die die wichtigsten Online-Office-Anwendungen im Web angesehen.

Mit Microsoft Office XP war ich eigentlich ziemlich glücklich. Unlängst jedoch habe ich meinen privaten PC auf MS Office 2007 umgestellt, da es für den nichtberuflichen Heimeinsatz inzwischen eine recht preiswerte Ausführung namens Microsoft Office Home and Student 2007 gibt, die zum Beispiel bei Amazon nur circa 70 Euro kostet und die sogar auf drei PCs eines Haushalts installiert werden darf.Leider hat Microsoft Office 2007 im Vergleich zu MS-Office XP, das nun auf meinem Netbook läuft, eine völlig umgestaltete Bedienoberfläche, in der ich mich nicht mehr zurechtfinde. Viele Tastenkürzel, die ich über Jahre verinnerlicht habe, sind jetzt wertlos (schon wieder; ich teilweise noch die aus Word für DOS 4.0 und 5.0). Noch schlimmer: Mein Notebook ist ein Apple MacBook – auf dem nehme ich das kostenlose OpenOffice.org, das zwar Word sehr ähnelt, aber ebenfalls ganz andere Tastenkürzel verwendet. (An dieser Stelle sei noch die Lanze für den prima Word-Ersatz AbiWord gebrochen, zu haben für Mac und Windows).
Anders gesagt: Ich hätte gerne ein Web-Office, das überall funktioniert und überall gleich ist. Das gibt’s.

Google Texte & Tabellen

Es heißt Google Texte & Tabellen, im Volksmund Google Docs genannt. Es wird nicht als Software herunter geladen und installiert, sondern direkt im Browser benutzt. Es besteht aus Google Documents als Word-Ersatz, Google Spreadsheets als Excel-Imitat und Google Presentations als PowerPoint im Web.

Sicher, es hat nicht dieselben Funktionen wie Word, und die Tastenkombinationen sind natürlich auch hier anders als bei Word XP, 2007 oder OpenOffice.org (und übrigens hier aufgelistet). Doch alle Texte, Dokumente und Präsentationen kann ich hier online speichern und bearbeiten, ganz egal, ob im Büro oder Zuhause, mit Windows oder Mac.

Bestehende Dokumente importiert Google Texte & Tabellen meist problemlos, nur ganz selten funktioniert das nicht, etwa bei Dokumenten mit vielen eingebetteten Grafiken. Auch bei komplexen Funktionen wie Fußnoten oder Anmerkungen sollte niemand Hoffnung hegen, dass nichts schiefgeht, aber zum Schreiben reicht Google Documents völlig.

Was ich praktisch finde, ist die Verzahnung von Google Docs mit Google Mail: Ich maile mir ein Dokument an meine Googlemail-Adresse, und wenn ich in der Mail auf den Anhang klicke, dann öffne ich damit automatisch Google Texte & Dokumente und kann mit dem Dokument arbeiten.

Schade, dass Tools wie Google Kalender, das Mail-Adressbuch, oder das Google Notizbuch so schlecht integriert sind. Auch die Dateiablage ist eher ein Graus, auch wenn sie inzwischen Ordner kennt.

Zoho Office

Google Texte und Tabellen steht längst nicht mehr ohne Konkurrenz da. Zoho Office zum Beispiel funktioniert ebenfalls als installationsloser Office-Ersatz im Browser (seine Tastenkürzel beschreibt es hier).

Ursprünglich mochte ich es nicht ganz so gern, weil es etwas langsamer arbeitet als Google Docs und schlecht eingedeutscht wurde. Doch je öfter ich es nutze, desto besser gefällt es mir. Denn Zoho Office verwendet nicht nur ganz neckisch die Primärfarben des Google-Logos, es übertrifft an Funktionen und Vielfalt sogar die Office-Anstrengungen von Google und ist deutlich besser integriert als diese.

Neben Modulen für Texte (Zoho Writer), Tabellen (Zoho Sheet) und Präsentationen (Zoho Show) besitzt Zoho Office auch eine Dokumentenverwaltung namens Zoho Docs und die Projektmanagement-Software Zoho Projects. Dazu gibt‘s unter anderem ein Wiki, eine Online-Festplatte für Dokumente mit angeschlossener Tausch-Community für Fotos, Videos und Dokumente (Zoho Share), ein Mail-Programm mit eigener Adresse nach dem Schema ihrname@zoho.com sowie verschiedene Utilities.

Nett ist zum Beispiel Zoho Polls, mit dem Sie im Handumdrehen klickbare Umfragen ins Web stellen. Um Zoho zu nutzen, braucht man dank OpenID noch nicht mal ein eigenes Konto anlegen: Man kann mit seinen Google- oder Yahoo!-Zugangsdaten einloggen.

ThinkFree Office Live

Einige Besonderheiten hat das Web-Office auf ThinkFree Office Live. Auf den ersten Blick ähnelt es dem Office von Google, zusätzlich gibt es aber eine Desktop-Version namens ThinkFree Office zur Installation auf dem PC. Das synchronisiert dann automatisch alle Dokumente zwischen Web und PC.
Klingt an sich interessant, und hat auch viele Features, die es funktional sicher auf eine Stufe mir Zoho Office stellen, aber irgendwie mag ich es vom Feeling her nicht.

Ulteo OpenOffice.org

Wer OpenOffice.org als Open-Source-Ersatz für Microsoft Office lieb gewonnen hat, kann dieses auch im Web nutzen. Möglich macht das Ulteo OpenOffice.org.
Die Software, die Sie dort sehen, läuft allerdings anders als Google Docs oder Zoho nicht in Ihrem Browser, sondern auf einem virtuellen Linux auf dem Server des Anbieters. Der Browser zeigt sozusagen den virtuellen Monitor des PCs. Ehrlich gesagt: nicht ganz mein Ding und wirklich eher was für OO-Fans.

Andere Offices, die als Web-Applikationen arbeiten

  • FlySuite.com: Die kostenpflichtige FlySuite habe ich nicht ausprobiert, aber die Seite macht auch keinen besonders einladenden Eindruck.
  • Live-documents.com Das indische Live-documents.com erlaubt den Login ohne Anmeldung, mit IDs von Yahoo! oder Google. Wer es tut, muss dann allerdings feststellen, dass derzeit nur Präsentationen möglich sind. Hmpf, vielleicht nur bei mir? (Ich bitte um Kommentare, falls einer es zum Laufen kriegt…)
  • picoScribe: Das verheissungsvoll klingende picoScribe bietet mit picoWrite, picoCalc und picoShow mal wieder alles. Bloss leider nicht zum Ausprobieren. Vaporware?
  • ZoooS: Das ursprünglich deutsche ZoooS hatte viel vor, eine komplette Suite. Allerdings kann man sich derzeit nur zum Preview anmelden. Und der letzte Blogeintrag ist länger als ein Jahr her. Ich glaub nicht dran…
  • ZCubes: Weniger eine Bürosuite als ein Haufen bunter Anwendungen ist ZCube. Es gibt zwar auch eine Textverarbeitung und eine Kalkulation, aber richtig bürotauglich sind die eher. Dafür gibts ein eingebautes Malprogramm, es lassen sich sofort Webseiten damit publizieren, ebensso Blogs, und ZCubes erlaubt auch handschriftliche Einträge. Mal was ganz anderes! Möchte allerdings Internet Explorer als Browser.
  • Adobe Acrobat.com Buzzword, Tables, Presentation. Wird ein ernst zu nehmender Kombattant, siehe “Bald komplettes Web-Office von Adobe Acrobat.com

Sonderfall: Microsoft Office Live Workspace

Microsoft Office Live Workspace stellt sich mir derzeit mehr als eine Art-Viewer-Programm dar, dass die Bearbeitung von Dokumenten nur dadurch ermöglicht, dass es das Dokument aus dem Web ins lokale Office-Programm übergibt und dann am Ende wieder ins Web übernimmt. Letztlich löst aber Office Live Workspace dadurch mein Problem nicht, weil es ein installiertes Microsoft Office 2007 auf Windows voraussetzt.

Ich halte es jedoch für ziemlich sicher, dass sich das bis 2010 geändert haben wird. Entweder kriegt Microsoft ein Hybrid-Office a la ThinkFree auf die Reihe, oder man braucht es einfach nicht mehr. Das gilt auch für OpenOffice.org, dem meines Erachtens ein integrierter Dokumentablage-Service in der Cloud fehlt.

Was nimmt man denn nun?

Fast alle genannten Office-Systeme sind frei nutzbar, viele bieten deutsche Oberflächen und sogar Speicherplatz, um alle Dokumente des privaten Gebrauchs speichern zu können.

Für mich sind allerdings nur Google Texte & Tabellen sowie Zoho Office ernst zu nehmende Alternativen zum installierten Microsoft Office – und übrigens auch zum installierten OpenOffice.

Beide sind auf Deutsch zu haben, erlauben das Login mit einer bereits vorhandenen Google-Mail-Adresse (Zoho reicht auch eine Yahoo!-Mail-Adresse) und sie verwenden alle beide Google Gears, um bei Bedarf auch offline benutzt werden zu können – etwa auf einem Netbook, der gerade keinen Hotspot in der Nähe hat. An beiden wird auch noch gearbeitet, immer wieder tauchen neue Funktionen in Google Docs und Zoho Office auf.

Natürlich gilt wie stets:
Weder sollte man die Baupläne für kalte Kernfusion im Web speichern, noch sollte man sich darauf verlassen, dass der genutzte Web-Dienst auch in einem Jahr noch existiert. Backup early, backup often!