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Ist Webware immer gratis?

Man darf sich da nichts vormachen: Früher oder später wird Webware Geld kosten. Vielleicht nicht die von Google, aber andere bestimmt. Schon 1995 äußerten Mitarbeiter der Firma WordPerfect mir gegenüber den Wunsch, Software nach Zeit abzurechnen statt nach “Versionen”. Okay, WP existiert nicht mehr, aber ist die Idee so unwahrscheinlich? Keineswegs.

Software wie Windows XP oder Windows Vista, die “aktiviert” werden muss, kann ihren Kunden schon jetzt eines Tages des Dienst verweigern – weil Microsoft nicht mehr existiert, oder keinen Support mehr für die Plattform gibt und daher den Aktivierungsdienst abschaltet. Das ist zugegebenermassen sehr unwahrscheinlich, zumal sich für Vista in 10 Jahren ebenso wenig Nutzer interessieren werden wie heute für Windows 98, das viele Anwender scheinbar lange Zeit nicht gegen XP tauschen wollten – und es dann doch irgendwann taten.

Antivirenhersteller arbeiten bei Virenschutzprogrammen bereits mit Jahresmodellen. Dort gab es nie einen Aufruhr. Jeder sieht ein, dass man alle Jahre wieder Geld abdrücken muss. Gleiches bei Steuerprogrammen, die man nur einmal im Jahr benötigt. Kurz: Wir gewöhnen uns bereits daran, und die Hersteller bringen bereits weitere Abo-Modelle (Windows Live, MobileMe) in Stellung.

Das birgt aber auch Gefahren. Wenn ein Hersteller von Web-Applikationen weiss, das Montag morgen die meisten Briefe geschrieben werden, kann er künftig den Preis für eine Stunde Textverarbeitung am Montag morgen anheben. Heizöl ist ja auch am teuersten im Winter. Oder: Das Preismodell für eine Textverarbeitung sieht eines Tages so aus, dass man die Grundfunktionen für 5 Euro im Monat bekommt, Serienbriefe aber erst ab 15 Euro im Monat (“Business-Tarif”). Dass das nicht immer sinnvoll ist, wissen alle privaten Anwender von Windows-Mobile-Smartphones, die gerne ein aktuelles Outlook hätten – das aber gibt’s blödsinnigerweise nicht im Paket mit Microsoft Office Home and Student 2007.

Ich schätze, 2010 wird nicht das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen, sondern das Jahr, in dem Webware auf breiter Basis Geld kosten wird.