Immer wieder hört man, die Verlage würden es dem Leser nicht bequem genug machen. Und deswegen würden die Raubkopien von E-Books laden.

Ha-ha.

Ich habe soeben versucht, eine (eigene) Raubkopie downzuloaden.

  1. Ich wurde von der Quelle abgelehnt, weil ich nicht angemeldet bin. Merke: Raubkopiervertriebsplattformen wollen Zugangsdaten errichten, genau wie normale E-Book-Shops. Ich registrierte mich. Das dauerte.
  2. Ich wurde danach abgelehnt, weil ich einen Werbeblocker aktiviert habe. Diese neue Schikane kannte ich noch nicht mal von E-Book-Shops, nur von Abschreiber-Portalen. Ich schaltete ihn ab. (Ungern, weil das natürlich Malware Tür und Tor öffnet.)
  3. Endlich wurde ich bedient – aber nicht etwa mit einem E-Book. Nein, mit einem popeligen Link. Ich wurde zu einem ganz anderen Portal geschickt. Was bedeutet: Die Eingabe der Zugangsdaten war technisch gar nicht notwendig gewesen.
  4. Das Portal, bei dem ich mich nicht angemeldet hatte, von dem ich auch nichts wollte, eigentlich, bombardierte mich und meinen Browser mit irgendwelchen Porno-Fenstern.
  5. Ich musste ein Captcha ausfüllen, das so unleserlich und kryptisch war, dass Riven dagegen wie ein Tic-Tac-Toe wirkt.
  6. Ich hatte die Auswahl zwischen gefühlten zehn Links, die alle falsch waren und zu irgendwelchen Abzock-Seiten führten, oder zu noch mehr (schlechten) Pornos, oder beides.
  7. Nur durch Zufall, nehme ich an, traf ich den richtigen Link.
  8. Ich bekam eine passwortverschlüsselte Datei. Die betrachtete ich eine Zeit lang. Irgendwann war mir dann klar, wie das Passwort lautet.
  9. Darinnen ein korrektes EPUB, ein fehlerhaft konvertieres MOBI und ein grauenvoll formatiertes PDF.
  10. Preis meines E-Books: 2,99 €.

Als Amazon- (böse!) und Beam-User (empfohlen) finde ganz ehrlich: Man kann Raubkopierer nicht ernst nehmen. Die wollen es kompliziert.

Leser hingegen, das glaube ich gern, wollen es einfacher als das. Das ganze Gejaule der Buchbranche über Amazon kaschiert doch nur, dass es dort eben einfach ist.