Immer, wenn um mich herum gejault wird, wie schlecht der gestrige „Tatort“ doch gewesen sei (was zutreffen mag), fällt mir auf, wie wunderbar und einzigartig Deutsch unser „Tatort“ doch ist. Er kann stellvertretend stehen für Politik, Journalismus, Blogging, Fußball, digitale Medien und so weiter, denn

  • alle lästern darüber: die Politik hat keine Ahnung, der Journalist schlecht recherchiert, der Blogger auch, der Trainer hat die falsche Strategie verfolgt und digital ist auch alles Mist;
  • und doch machen alle mit, schauen zu, lesen und konsumieren „es“ – und zwar immer wieder, obwohl es doch ständig „schon wieder so schlecht“ oder „immer schlechter“ ist;
  • und alle wissen stets, wie „es“ besser gemacht wird. Außer natürlich: den Beteiligten, also jenen, die es tun und die nach einhelliger Meinung versagt haben.

Das lässt verschiedene Schlüsse zu.
Entweder, durch ein geheimnisvolles Naturgesetz werden stets die, die „es“ nicht können, in die Position gebracht, „es“ tun zu müssen.
Oder aber, die meisten (Tatort-Zuschauer) schweigen zufrieden, und nur die, denen sowie *nie* irgendwas passt, machen ihr Maul auf. Oft auch nur, um sich was zu sagen zu hören.

Hinzu kommt aus meiner privaten Beobachtung, dass nur die krasse Ablehnung Feedback erhält – je mehr um Ausgewogenheit bemüht heute etwas ist, desto umfassender wird es ignoriert.