Seit 1994 nerven uns irgendwelche überbezahlten und unterbeschäftigten Germanisten, vulgo: Deutschlehrer, mit dem „Unwort des Jahres“ – möglicherweise der einzige Output, den die Universität Frankfurt am Main jährlich produziert.

Die Suche nach dem Wort gebahr Perlen wie „Peanuts“, „sozialverträgliches Frühableben“ und „Kollateralschaden“. Für 2007 glaubte man „Herdprämie“ als Unwort ausgemacht zu haben, doch wir (ich und ich) sind dagegen. 1. wollen wir nicht auch noch eine Prämie dafür zahlen müssen, dass Eva Herman das Buchschreiben sein lässt und sich (gemeinsam mit der Latex-Pauli) wieder an ihren Herd zurückschert. 2. wäre für uns natürlich „Web 2.0“ das Unwort des Jahres. Oder „Knut“. Bestenfalls noch „smirting“ (smoken & flirten), auf neudeutsch auch „flauchen“ (flirten & rauchen).

Wir appellieren an die Sprach-Quacksalber: Bitte gebt uns ein “Unwort 2.0“. Nehmt zum Beispiel TomToms neues „MapShare“, ein System, bei dem die User die Karten selbst aktualisieren. Das wird als grandiose Innovation abgefeiert, ist im Grunde aber nur eine Form des allseits beliebten „Crowdsourcing“ (auch ein mögliches Unwort), bei dem die Käufer mehr Geld dafür hinblättern, dass am Ende sie selbst das Produkt in ihrer Freizeit verbessern müssen. Motto: „Auch die Chinesen sind zu teuer, aktualisiert unsere Ware nach dem Kauf mal schön selbst!“

Außerdem sehen wir „Behavorial Targeting“ ganz vorn. A.) weil’s keiner aussprechen kann, und B.) weil’s mal wieder furchtbar unsinniges Marketing-Blabla ist, das zu vielen Community-Pleiten führen wird, weil die User eben doch nicht öfter auf den öden Gillette-Contour-Mach-VI-Banner anklicken, auch wenn sie im Profilbild einen Taliban-Bart tragen (hat mal einer versucht, Ads für Atomwaffen zu platzieren?).

Gut auch, gerade unter dem Mitmach-Aspekt: „geknacktes US-iPhone“. Das ist nicht nur ein Unwort, sondern auch ein Unding. Ich kenne drei Leute, die eins haben. Sie telefonieren allerdings nie damit. Weil’s wohl irgendwie nicht geht. Das Update will den Crack entfernen oder der Crack das Update verhindern oder umgekehrt oder so, genaue Aussagen gibt es nicht, man schämt sich wohl ein bischen.

Klar, zugegeben: ein Windows-Mobile-Smartphone ist voll Scheiße. Aber man muss es wenigstens nicht patchen, damit’s nicht richtig funktioniert.